Naturbasierte Lösungen

Der Biodiversitätsverlust und der Klimawandel stellen die Schweiz vor grosse Herausforderungen. Naturbasierte Lösungen bieten Gemeinden, Städten, Regionen und Unternehmen die Chance, beide Themen integriert anzugehen.

Der anhaltende Biodiversitätsverlust und der fortschreitende Klimawandel stellen die Schweiz vor grosse Herausforderungen. Beide Entwicklungen sind eng miteinander verknüpft. Die Biodiversität verändert sich infolge steigender Temperaturen und der veränderten Niederschläge markant.

Als Gegenmassnahmen gibt es zwei Hauptstossrichtungen: Erstens den Schutz, die Wiederherstellung und Förderung der Biodiversität. Zweitens im Bereich Klima die Reduktion, Vermeidung und Entfernung von Treibhausgasemissionen (Klimaschutz) und die Anpassung an den Klimawandel.

Zwischen diesen beiden Hauptstossrichtungen gibt es Wechselwirkungen, die zahlreiche Synergien bilden als auch teilweise Konflikte bergen. Somit rücken naturbasierte Lösungen ins Zentrum jeder Planung.

 

Was sind naturbasierte Lösungen?

Naturbasierte Lösungen sind «Massnahmen zum Schutz, zur nachhaltigen Bewirtschaftung und zur Wiederherstellung natürlicher oder veränderter Ökosysteme, mit denen gesellschaftliche Herausforderungen wirksam und anpassungsfähig angegangen werden können und die gleichzeitig dem menschlichen Wohlbefinden und der Biodiversität zugutekommen» (Definition der IUCN, 2016).

Oder einfach ausgedrückt: Naturbasierte Lösungen sind Massnahmen, welche einen positiven Beitrag zur Biodiversität und zur Bewältigung des Klimawandels leisten. Der Beitrag zur Bewältigung des Klimawandels kann entweder durch Anpassung an den Klimawandel, Klimaschutz oder beides geleistet werden.

 

Naturbasierte Lösungen bieten den Gemeinden, Städten, Regionen und Unternehmen grosse Chancen. Die Anwendungsgebiete sind sehr vielfältig und sowohl in städtischen als auch ländlichen Gebieten möglich. Eine gute Übersicht über die vielfältigen Anwendungsgebiete gibt die Gliederung nach Ökosystemen:

  • Siedlungen und Verkehrsflächen: Schaffung und Aufwertung urbaner Grünflächen, Dachbegrünung, Fassadenbegrünung, Entsiegelung, Schaffung und Aufwertung urbaner Gewässer, Schwammstadtlösungen.
  • Gewässer: Renaturierung von Fliess- und Stillgewässern, Ausdolung, pflanzenbasierte Beschattung von Gewässern.
  • Feuchtgebiete: Revitalisierung von Mooren (Wiedervernässung), Wiedervernässung von Mooren mit alternativen Bewirtschaftungsformen, Renaturierung anderer Feuchtgebiete (Auen, Feuchtwiesen).
  • Acker- und Grünland: Agroforstwirtschaft, agrarökologische Landwirtschaft, Schwammlandschaft.
  • Wald: Naturnahe Waldbewirtschaftung, Waldnaturschutz, Schutzwald.
 
Weitere Informationen zum Thema naturbasierte Lösungen auf der Webseite des Bundesamts für Umwelt (BAFU) Naturbasierte Lösungen

 

Booklet mit 23 Beispielen naturbasierten Lösungen

Ein Booklet zeigt anhand von 23 Beispielen aus Gemeinden, Städten, Regionen und Unternehmen, wie naturbasierte Lösungen erfolgreich umgesetzt werden. Die Projekte decken alle relevanten Ökosysteme ab – vom Siedlungsraum bis zum Wald – und zeigen konkrete Wirkungen für Biodiversität, Klimaresilienz und Klimaschutz. Das Booklet dient als kompakte Inspirations- und Orientierungshilfe. Es ist ein Ergebnis aus dem Aktionsplan Biodiversität Schweiz Phase II. Herausgeber sind das Bundesamt für Umwelt BAFU und planval.

Die Schilf-Retentionsanlage der Gemeinde Geuensee ist eine der beispielhaften Massnahmen (detaillierte Informationen im Booklet auf Seite 34/35) . Die Anlage gilt offiziell als Hochwasserschutzmassnahme und dämpft Abflussspitzen bei Hochwasser. Sie trägt auch über 20 Jahre nach Fertigstellung zur Siedlungsentwässerung der Gemeinde bei. Neben der erfolgreichen Rückhaltung von Wasser führt die Anlage auch erwiesenermassen zur Reduktion der Stickstoff- und Phosphorkonzentrationen im Abfluss, ein weiterer Gewinn für die Biodiversität.

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Schilf-Retentionsanlage